Auszeichnungen und Preise

Mein erster Literaturpreis:

Kärntner-Krimipreis 2006 für „Blond Angel” – ein kleiner Bericht –

Durch das Rauhe zu den Sternen

Am 7. November bin ich Richtung Klagenfurt aufgebrochen, um dort meinen ersten Literaturpreis zu empfangen.

Das Positive, das Schöne, begann schon beim Anflug auf die Lindwurm-Stadt Klagenfurt. Sie schmiegt sich tatsächlich wie ein Wurm zwischen all die Berge und Hügel hinein. Und die Krönung: Hellster Sonnenschein! (in Stuttgart war es nebelig, eiskalt und grau) Der Flieger macht diese angenehmen Wendungen nach unten, um zielsicher in das Tal zu gelangen. Unter mir Seen, Wäldchen, Felder und Berge.

Minuten später schließe ich Susanne Schubarsky und Fran Henz, die Herausgeberinnen des Buches „Tatort Internet”, in die Arme. Trixi Kramlowsky, die Präsidentin der Jury und außerdem Präsidentin der SINC (sisters in crime) meldet sich noch am Flughafen via Telefon: „Bis gleich!

Ja, und dann bekomme ich den ersten Eindruck von den Auswirkungen professioneller Sponsoring-Suche: die Ösis haben es eben drauf! Ich darf in einem Luxuswagen Platz nehmen. Susanne kutschiert uns mit diesem Hightech-Schlitten, der ein Cockpit hat, das an Star Trek erinnert, zum Hotel. Als wir an einer Ampel halten müssen (bergauf), fragt sich Susanne, wo die Handbremse ist. Fran, die neben ihr sitzt, greift instinktiv nach links unten. Aber da ist nichts ... Schließlich stellen die beiden fest, dass es sich hier um eine Art virtuelle Handbremse handelt, die sich zudem automatisch löst. Das passt zum Thema der Anthologie. Alles virtuell ...!?

(wenn ich so weiterschreibe wird das ein Roman)

Nachdem ich Regina Holz, die Zweitplatzierte und Sister Sabine Klewe, 3. Preis, begrüßen durfte, bekommen wir eine gute Stunde Schonfrist, um auszupacken und uns frisch zu machen.

Das Hotel mitten in der Altstadt von Klagenfurt ist wunderschön!

Bevor wir in die Schleppe-Eventhalle fahren, lerne ich endlich unsere Präsidentin kennen. Aber nun geht es – wieder in der Luxuskarosse eines Sponsors – ab zum „Tatort”! Dort warten Sabina Naber, die Moderatorin, eine Radiofrau und eine stetig zunehmende Menge von Fotograf/innen und Promis der Kärntner-Szene auf uns. Erst sind die Radiointerviews angesagt, später müssen wir vor einer ORF-Kamera einige Seiten aus dem Buch vorlesen. Dazwischen blitzt es unaufhörlich. Wir sind die Objekte der Begierde für x Foto- und Filmkameras! Den ganzen Abend lang ...

Vor der feierlichen Preisverleihung dürfen wir ans Buffet. Göttin sei Dank! (mir hing der Magen schon sonst wo) Die Leckereien beschreibe ich jetzt nicht, das wäre gemein.

Die Preisverleihung wird von Sabina Naber auf temperamentvolle und souveräne Weise präsentiert. Die Herausgeberinnen – Susanne und Fran – werden interviewt und beklatscht. Sie sorgen für die ersten Lacher; nachzulesen im Vorwort der Anthologie. Die Präsidentin der Jury stellt die spannende Arbeit der Jury (der Chef des Wieser-Verlages, der Chefredakteur der Zeitung Kärntnerwoche, der GeschäftsfÜhrer der Internet-Firma Net4you, eine Krimi-Autorin und die Präsidentin selbst) vor und erhält natürlich ihren verdienten Applaus.

Immer wieder wird angesprochen, dass die Ausschreibung anonym erfolgte. Das ist auch wirklich ein spannender Punkt! Von 300 Einsendungen schafften es 25 Autor/innen mit ihren Beiträgen in die Anthologie. Darunter 7 Männer ...

Unter den Frauen: ein Großteil SINC-Mitglieder ...

Aus den 25 dann die Preisträger/innen: „nur” Frauen ...

Von den ersten drei Plätzen: zwei Sisters ...

(muss man das kommentieren?)

Die Vorstellung der Autorinnen und deren Sponsoren – und vor allem die jeweils nachfolgende Lesung der Beiträge waren für mich der schönste Teil. Jeder einzelne Text war einfach mitreißend und wurde auf eine sehr lebendige Weise vorgetragen.

Besonders stolz war ich natürlich auf den Beitrag von Sister Sabine Klewe, die sich genau diesen dritten Platz gewünscht hatte: eine Woche schreiben, schreiben – und das auf einer Berghütte!

Bei mit trat übrigens nicht der Sponsor des Preises, sondern ein Oberstleutnant (oder war’s der Gefängnisdirektor?) auf. In Uniform! Der erwähnte noch, dass in seinem Gefängnis nur 2,5 Prozent Frauen säßen. Ich weiß nicht mehr, wer dann die süffisante Bemerkung machte, dass Frauen eben lieber – also quasi im „Vorfeld” oder als Eigenprävention(?) – darüber schreiben! Jedenfalls griff der Stargast, Krimiautor Veit Heinichen, dies nochmals auf und fragte, ob Frauen die besseren Menschen seien? Kopfschütteln im Publikum. Darauf er: „Ich glaube das auch nicht. Aber sie sind eben intelligenter.”

Der Ausklang dieser mehr als gelungenen Veranstaltung war ebenfalls angenehm und zudem wichtig, da ich einige Gespräche über meine Zukunft als Krimi-Autorin fÜhren konnte und von Jung und Alt, von Männern und Frauen, so viel Lob fÜr „Blond Angel” einheimste, dass ich es kaum glauben konnte. Die Leute waren begeistert.

Von meinem Text!

Der Star-Autor Veit Heinichen, von der Moderatorin als „Top des Abends” angekündigt, meinte vor seiner Lesung, dass man nach dem Text von Franziska Kelly nichts mehr toppen könne. Ich war baff! Auch meine Mitstreiterinnen (2. und 3. Platz) zollten mir Anerkennung und erklärten einem Journalisten am nächsten Morgen, warum mein Text so außerordentlich gut sei.

Die Pressemitteilung der Herausgeberinnen enthielt folgende Begründung:

„Der Sieger-Text zeigt auf eindringliche Weise, dass Kinderpornografie in der virtuellen Welt eine neue Stufe des Bösen erreicht hat und besticht durch das Fachwissen, das sich die Autorin Franziska Kelly in langen Jahren als Diplom-Psychologin - nicht immer freiwillig - angeeignet hat. Ohne jegliche Effekthascherei gelingt es der Autorin, die technische und die psychologische Ebene des Themas zu einer grandiosen Geschichte zu verweben.”

Das muss ich alles erst noch verdauen. Ich habe jedenfalls noch nie so viele Autogramme gegeben. Auch dies war ungewohnt.

Am nächsten Morgen haben wir Sisters noch gemÜtlich bei leiser Walzermusik zusammen gefrühstückt, nebenbei Interviews für die „Kärntner Woche” gegeben, wieder viel gelacht; ja, und dann hieß es leider Abschied nehmen.

Ungefähr zwei Wochen vor meinem 50sten Geburtstag habe ich das mit Abstand schönste Geschenk bereits erhalten: Wärme, Zuwendung, Lob, Anerkennung, Interesse und Respekt.

Buchcover Franziska Kelly, 2006,
Blond Angel”,
in: Tatort Internet - Kärntner Krimipreis 2006
Schubarsky, Susanne; Henz, Fran (Hrsg.), Wieser Verlag,
Klagenfurt (erscheint Ende 2006).
Nominiert für den Kärntner Krimipreis 2006      mehr..      Rezensionen     Eine weitere Buchrezension dazu..     Und hier noch eine..     Ihre Geschichte „Blond Angel” macht den Saal verstummen...