anti-Kinderporno

Notstand

die drei Affen

Vorwort:

Vorwort:

Aufgrund persönlicher Erfahrungen habe ich diese Seiten erstellt, um allen SurferInnen, Bekannten und Leuten, die sich damit beschäftigen, zu zeigen, das ein Gesellschaftsproblem ein Problem des Staates ist...und dringend einer Nivellierung bedarf.

Einleitung:

Bei meiner Tätigkeit als Systemadministrator und Internetprovider wurde ich immer wieder mit der Frage konfrontiert: "Was kommt eigentlich auf deinem Rechner so täglich an?" Immer wieder traf ich auf diverse Bilder. In den Newsgroups, beim Surfen und in Suchmaschinen. Der ärger ist groß, wenn man einerseits die Medien hört - "Schmuddel-Netz Internet", "Gefahr für die Kinder" und all diese Sprüche - und andererseits keiner bereit ist, etwas zu tun. Oft wird die Verantwortung mit den Worten von sich gewiesen: "Da kenne ich mich nicht aus - das werden schon andere machen". Okay - Ich habe mich eingesetzt und einen Rüffel vom Staat kassiert! Ja - richtig gelesen: Vom Staat!

Was ist passiert?

Gegen die Megatonnen von Kinderpornobildern, die täglich im Netz verteilt werden, kann ich auch nicht viel unternehmen. Aber ich habe einen Ansatz gefunden und diesen mit meiner technischen Erfahrung von nunmehr 20 Jahren (ab 1979) und meinen technischen Möglichkeiten angewendet. IP-Verfolgung ist für einen durchschnittlichen System Operator kein Problem mehr. In meinem Fall ging es um die Verfolgung eines Mail-Routings, das leider dadurch erschwert wurde, weil die betreffende Person über einen Remailer (à la Hotmail) postete. Die Person bot eine CD mit 7500!! Kinderpornobildern zum Preis von 120 US-$ an. Und nun der Clou: die Person saß in der Schweiz, also nicht in Amerika, wo eine Verfolgung fast unmöglich ist - nein, in unserem schönen Nachbarland

Mein Gedanke war sofort: Hier kann doch Interpol sicherlich handeln - und begann sofort mit der Beweissicherung. Fast eine Woche lang sicherte ich Beweise: Links, Bilder, Mails und technische Daten. Mir war klar: das war eine Aktion, so effektiv wie der berühmte "Tropfen auf den heißen Stein" - aber tatenlos zusehen?? Nein! Ich habe selbst Kinder - und es könnten meine sein. Über einen Bekannten stellte ich den Kontakt zur Polizei her, weil dieser sich besser in den Bereichen der Zuständigkeit auskennt. Prompt rief mich auch ein Herr vom Staatsschutz Köln an, um mit mir einen Termin zu vereinbaren. Gesagt, getan: Er wollte mit einer Kollegin kommen, um die Dinge bei mir vor Ort zu sehen.

Tag X ... Schwer bewaffnet rollten die zwei Beamten bei mir an. Es begann "das Übliche": Personalien aufnehmen, "Erzählen Sie mal" und "Können Sie uns das mal zeigen?". Ich ging also mit ihnen in den Keller zum Server-Raum, wir standen mit vier Leuten um ein Terminal herum, um einer Demo von mir zu lauschen (ich hatte meinen Bekannten gebeten, als Zeuge anwesend zu sein). Brav übergab ich den Beamten die Ausdrucke mit Links, Adressen und technischen Daten sowie eine Diskette mit den Originalen und einigen Beweisbildern. Ich konnte nicht ahnen, das mir genau diese Diskette zum Verhängnis werden konnte. Die Beamten sagten "Danke" und verschwanden wieder. Und die Dinge nahmen ihren unerfreulichen Lauf.

Zwei Tage später erhielt ich einen Anruf: "ähmmm... wegen der Diskette... ähhhmmm... ich habe mit den Staatsanwalt gesprochen... ähhhmm... ich muß gegen Sie ein Ermittlungsverfahren einleiten, weil Sie gegen einen § des STGB verstoßen haben..." Ich war erst mal platt - wieso ich?! Spinnen die?? "ähmmm... der Staatsanwalt sicherte aber zu, daß dieses Verfahren eingestellt wird, weil Sie die Sachen ja zu uns gebracht haben... ähhhhmmm... lassen Sie in Zukunft besser die Finger da weg... ähhhhmmm... KLICK" Sprachlos - Finger weg - Zusehen - Wut haben - Das kann doch nicht wahr sein!!!

Umgehend schickte ich ein Fax an dpa (Deutsche Presseagentur) und an alle Fraktionen im Deutschen Bundestag, um auf diesen Missstand hinzuweisen. Lediglich die SPD reagierte mit den Worten: "Wir können uns nicht vorstellen, daß in so einen Fall eine Strafverfolgung angebracht ist." ... ah ja... nicht vorstellen. Es war aber so: Der Staat hat mich zum Täter gemacht. Einige Sender wollten die Sache durchaus im Fernseh senden - aber erst, wenn ich von der Staatsanwaltschaft etwas Schriftliches hätte.

Es folgte eine Vernehmung durch die örtliche Kriminalpolizei (wobei der Beamte auch nur mit dem Kopf schüttelte und sich fragte, warum er jetzt etwas protokollieren sollte). Sechs Monate später bekam ich von der Staatsanwaltschaft ein Schreiben: Verfahren eingestellt. In der Zwischenzeit sah ich immer wieder den Leiter der Abt. des Staatsschutzes Köln in Interviews in Zeitschriften (Stern Konr@d 1/97) oder bei Hans Meiser (Sendung vom 6.5.1998 um 16:00), wo dieser auf die Probleme im Internet hinwies und betonte, daß ohne die Hilfe der Benutzer kaum eine Chance für die Polizei bestehe! Ein klarer Aufruf zum Verbrechen, wenn ich meine Erfahrungen zugrunde lege. Am 5.6.1998 sendete der WDR in 3 Sendungen meine Erfahrungen und stellte somit erstmals klar, daß jeder, der sich auch nur ein Kinderporno-Bild auf dem Computermonitor anzeigen läßt, bereits Täter ist (Wer Interesse an einer Aufzeichnung der Sendung hat, möge eine Mail schreiben)

Das Fazit:

Ich ärgere mich täglich weiter über die Flut an Kinderpornographie im Internet und muß hilflos zusehen, wie der Scheiß tonnenweise über das Netz wandert. Auch wenn ich wüßte, der Täter sitzt zwei Häuser weiter - nach der jetzigen Rechtslage kann und darf man nichts machen, ohne nicht selbst zum Täter zu werden.

So bleibt nur:

  1. Wut, Wut und nochmal Wut über soviel Dummheit in Deutschland
  2. Augen zu und Wegsehen, da sonst 10 Jahre !!!! Freiheitsentzug drohen
  3. Hoffen, daß sich diese Lage ganz schnell ändert!!!
  4. Das Grinsen auf meinem Gesicht wegen der Festnahme des Täters

So, das war es - ich hoffe, daß ich allen etwas Aufklärung zu diesem Thema geben konnte. Ich würde mich freuen, den einen oder anderen Kommentar zu diesen Seiten zu bekommen, da ich sicher bin, das die meisten nicht mit diesem Notstand leben können. Auch für Hinweise oder Erfahrungen anderer bin ich dankbar.

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